Mädchen
verbinden einen Großteil ihrer Erfahrungen mit Jungen damit, von ihnen
geärgert oder geschlagen zu werden. Von verbalen Attacken über Anrempeln
bis zum Begrapschen sind alle Formen von Gewalt schon gegenüber jüngeren
Mädchen vertreten.
Diesen körperlichen oder seelischen Übergriffen wird oft der Gewaltcharakter
abgesprochen. Sie sind sozial und kulturell in dem Verhältnis der
Geschlechter verankert. Es gibt kein Mädchen, das nicht immer wieder
Übergriffe seitens der Jungen auf dem Schulhof und sogar im Klassenzimmer
erlebt. Verstärkend hinzu kommt oft die Erfahrung, dass sie keine
Unterstützung bei den Erwachsenen finden. Da heißt es dann, daß es
doch gar nicht so schlimm ist oder daß sie selbst schuld daran sind.
Bald stellt sich Resignation ein und je älter die Mädchen werden,
um so weniger stehen sie zu ihrer Wut und zu ihrem Ärger.
In unseren
Kursen werden Mädchen darin unterstützt, ihre Gefühle wieder ernst
zu nehmen und auszudrücken, eigene Grenzen zu schützen und zu verteidigen.
Als Handlungsstrategien bieten sich auch Solidarität unter den Mädchen
und das Einfordern von Hilfe der Erwachsenen an.
Weil auf
Ihren Bedarf an Unterstützung oft nicht angemessen reagiert wird,
ist es notwendig, mit den PädagogInnen in Kindertagesstätten, Schulen
und Freizeiteinrichtungen ein Netzwerk aufzubauen, um den Bedürfnissen
der Mädchen gerecht zu werden. Dazu gehört eine Sensibilisierung und
entsprechende Kompetenzvermittlung an die zuständigen MultiplikatorInnen.
Soweit
dies im Rahmen unseres Etats möglich war, haben wir Ansätze dazu in
Kooperation mit einer Kindertagesstätte entwickelt. Dabei stießen
wir allerdings bald an die Grenzen unserer Kapazitäten. Für den Aufbau
des angestrebten Netzwerkes bedarf es personeller und finanzieller
Ressourcen, über die wir nicht verfügen.
In der
Reflexion dieses Arbeitsschwerpunktes wies uns unsere Trägerin auf
eine Ausschreibung des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen
und Jugend hin, Programm "Entimon - gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus".
Mit unserem im Stadtteil verankerten Gewaltpräventionskonzept konnten
wir uns erfolgreich um eine Förderung bewerben. Das Projekt wird voraussichtlich
für die höchstmögliche Dauer von 3 Jahren gefördert. Leider wurde
es zum Jahresende von einer mehrmonatigen planungsunsicheren Phase
unterbrochen, weil, abhängig vom Bundeshaushalt, die Weiterführung
erst nach der Konsolidierung der Bundesregierung und der Verabschiedung
des Haushalt sichergestellt ist.
Mit dem
Fokus auf geschlechtsspezifischer Fremdenfeindlichkeit und Antirassismus
können wir im Rahmen dieses Projekts unsere bisherigen Ansätze der
Gewaltprävention für Mädchen im Stadtteil weiterentwickeln.